Vollständiger Spaziergang

Der Friedensspaziergang beginnt am Anti-Kriegs-Museum, umfasst eine Strecke von etwa 15 Kilometer umfasst und dauert dementsprechend ungefähr dreieinhalb Stunden zu Fuß. Alle Wege sind auch problemlos mit dem Fahrrad, oder streckenweise mit dem ÖPNV abzufahren.

Stationen

  1. Ernst-Friedrich-Promenade, 13353 Berlin und Anti-Kriegs-Museum, Brüsselerstraße 21, 13353 Berlin
  2. Max Josef Metzger Gedenktafel, Willdenowstraße 8, 13353 Berlin
  3. Dorotheenstädtisch-Friedrichswerdersche Friedhof, Chausseestraße 126, 10115 Berlin
  4. Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße, 13355 Berlin
  5. Berliner Charité, Charitéplatz 1, 10117 Berlin
  6. Carl-von-Ossietzky-Park, Rathenower Str. 18, 10559 Berlin
  7. Denkmal zur Erinnerung an 96 von den Nationalsozialist*innen ermordete Reichstagsabgeordnete, Hannah Arendt-Straße, 10117 Berlin
  8. Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Cora-Berliner-Straße 1, 10117 Berlin
  9. Käthe-Kollwitz-Denkmal, Wörther Str. 35A, 10435 Berlin
  10. Wasserturm am Kollwitzplatz
  11. Friedensglocke im Volkspark Friedrichshain, 10249 Berlin
Los

Erste Station

Das Anti-Kriegs-Museum und die Ernst-Friedrich-Promenade

Brüsselerstraße 21, 13353 Berlin

Der Pazifist Ernst Friedrich war Begründer des weltweit ersten Anti-Kriegs-Museums. Während des Nationalsozialismus musste er aus Deutschland fliehen.

Skulptur von Angelo Monitillo: Ein Mensch, der über seinem Kopf ein Gewehr zerbricht, Ernst-Friedrich-Promenade, 13353 Berlin
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Ernst Friedrich wurde 1984 geboren und begann auf Wunsch seines Vaters 1908 eine Buchdruckerlehre. Auf einer Reise durch Europa entwickelte er sich, in Anlehnung an Leo Tolstois Werk „Krieg und Frieden“, zum antiautoritären Pazifisten und Antimilitaristen. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete er als Schauspieler in Potsdam, wo er hinter der Front eingesetzt wurde, um die Soldaten zu unterhalten. Den Wehrdienst im Ersten Weltkrieg verweigerte er daraufhin, weswegen er in einer Beobachtungsstation für Geisteskranke untergebracht wurde. Weil er sich wiederholt dem Einberufungsbefehlt widersetzte, saß Friedrich 1918 im Gefängnis, wo er die Zeit nutzte, um über die anfängliche Kriegsbegeisterung der Deutschen, Kriegsursachen und deren Beseitigung nachzudenken. 1924 erschien sein bis heute meist verkauftes Buch „Krieg dem Kriege“. Die frühen 1920er Jahre nutzte Friedrich, um Gegenstände und Objekte zu sammeln, die in Verbindung mit Krieg und Frieden standen. Dazu zählten Zeitungen, Postkarten und Briefe, Spielzeug, Bücher und Alltagsgegenstände. Außerdem startete er Aufrufe in öffentlichen Zeitungen, dass Menschen ihm Bildmaterial über den Krieg zukommen lassen mögen. In diesem Zuge erwarb er die Fotografien von Professor Sauerbruch aus der Berliner Charité, die entstellte Gesichter von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg zeigten. Besonders der in den Schulen gepredigte Patriotismus, die Vaterlandsliebe und den allgegenwärtigen Militarismus sorgte bei Friedrich für Ärgernis und bestärkte ihn in seiner pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, hin zu einer gewaltlosen und friedvollen Erziehung. 1923 erwarb Friedrich ein Haus in der Parochialstraße 29, das er mangels finanzieller Mittel selbst renovierte und zu einem Ort gestaltete, an dem er die gesammelten Objekte zur Schau stellte; das erste Anti-Kriegs-Museum. Bereits die Eröffnung dieses Museums sorgte für öffentliches Ärgernis durch das Ausstellen von Bildern gegen den Krieg. Ebenso wie die Zweckentfremdung des deutschen Stahlhelms, der die Außenwand des Museums schmückte und aus dem Blumen wuchsen, stellte auch das zerbrochene Gewehr über der Eingangstür des Museums für die Nationalsozialist*innen eine Herabwürdigung der deutschen Wehrmacht dar. Bis 1933 erlebte Friedrich wegen seines Museums, seiner Schriften und Taten zahleiche Verhaftungen und Gerichtsverhandlungen, die ihn sein gesamtes Vermögen kosteten. Im März 1933 zerstörte die SA Friedrichs Haus des Friedens und nutzte es als Sturmlokal für Nationalsozialist*innen, in dem Menschen gefoltert und zu ihren Beziehungen zum Pazifismus und zu Ernst Friedrich befragt wurden. 1936 erhielt er politisches Asyl in Belgien, wo er eine neue Anti-Kriegs-Ausstellung im Gewerkschaftshaus eröffnet, das hohe Zustimmung in der belgischen Bevölkerung genoss. Als im September 1940 die deutsche Wehrmacht in Belgien einfiel, zerstörte die SA auch dieses Museum. Friedrichs damalige Lebensgefährtin wurde deportiert und im KZ ermordet, er und sein Sohn konnten nach Frankreich fliehen. Dort schloss er sich 1942 entgegen seinen Überzeugungen von Gewaltlosigkeit der Resistance an. Im Mai 1967 starb Ernst Friedrich in Frankreich. Während der Friedensbewegung der 1970er und 80er Jahre in Deutschland erlebten Friedrichs Bücher und Ideen einen erneuten Aufschwung, er galt für viele als eine Ikone der Friedensbewegung.

Fragen

  1. Wie viel weiß man heute über Ernst Friedrich?
  2. Hatten die Nationalsozialist*innen Erfolg mit ihrem Vorhaben die Erinnerung an den Pazifisten zu zerstören?

Andere relevante Orte

Quellen

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Weg zur nächsten Station

Die nächste Station ist die Gedenktafel für Max Josef Metzger in der Willdenowstraße 8, 13353 Berlin.

Angekommen!

Zweite Station

Gedenktafel für Max Josef Metzger

Willdenowstraße 8, 13353 Berlinn

Max Josef Metzger war ein katholischer Priester und Pazifist, den seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg maßgeblich prägten und dazu veranlassten ein Friedensprogramm für die Kirche zu entwickeln.

Gedenktafel für Max Josef Metzger, Willdenowstraße 8, 13353 Berlin
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Max Josef Metzger wurde 1887 im Schwarzwald geboren und arbeitete 1914 als Divisionspfarrer an der französischen Front. Während seiner Zeit im Kriegsgeschehen entwickelte er eine Betroffenheit, die seinen Glauben infrage stellte. Aus seinen Erläuterungen von 1943 geht hervor, dass er den modernen Krieg, mit seinen politischen Machtkonstellationen und übergreifenden Verflechtungen für sinnlos hielt, da jede beteiligte Partei Verluste zu erleiden hätte. Mit seiner Theorie von der „Vaterländischen Friedensarbeit“, erklärte er Alkohol und die Unmoral als inneren Volksfeind, den jedes Volk zu bekämpfen hätte. Seine Friedensarbeit war also eine Mischung aus Abstinenzbewegung, der Lösung der sozialen Frage und einer theologischen Friedensidee. Metzger vertrat die Auffassung, dass die Schuld am Ersten Weltkrieg international zu verantworten sei und daraus auch eine internationale Pflicht für die Gewährleistung eines Weltfriedens resultierte. Die Grundlage für Frieden aller Völker seien Gerechtigkeit, Liebe und der christliche Glauben. Metzger forderte deshalb, dass auch Politik und Diplomatie nach diesen Prinzipien handeln müssten, um Völkerfreundschaft zu erreichen. Sein Friedensprogramm, das Anfang 1917 entstand, enthielt zwölf Punkte mit Forderungen, darunter ein Ende der Gewaltpolitik und des Krieges, Beendigung des Auf- und Wettrüstens und die Überwindung des kriegsverursachenden Geists. Seine Friedenslehre beruhte auf einer umfassenden Friedenserziehung unter Berücksichtigung sozialer Probleme mit dem Ziel zur praktischen Betätigung im Sinne des Christentums für die Gemeinschaft. Dazu zählte auch die Bekämpfung von Klassenkampf und Rassenhass hin zu einer internationalen Völkerverständigung und Frieden. Besonders die Idee der Einigkeit der Katholik*innen aller Länder vertrat Metzger leidenschaftlich und stellte das Kernelement seiner Lehre dar. Aufgrund seiner Ansichten und Friedensarbeit stand Metzger seit den 1930er Jahren unter Beobachtung der Gestapo und wurde bis 1940 bereits zwei Mal verhaftet. In der Hoffnung, in einer Großstadt weniger aufzufallen, zog er nach Berlin. Am 17. April 1944 wurde er im Zuchthaus von Brandenburg-Görden hingerichtet. Noch während seiner Gefangenschaft schrieb und dichtete er viel rund um seine pazifistischen Bestrebungen. Heute ist Metzgers Wirken in Verbindung mit der zeitgenössischen Moraltheologie und vor dem Hintergrund der katholischen Lehre von einem gerechten Krieg zu betrachten. Die katholische Kirche verurteilte 1914 den Krieg als ein Übel, aber im Falle eines gerechten Kriegs wurde dieser als notwendiges Übel durch Notwehr gerechtfertigt. Die Kriegsführung galt dann als legitimes Mittel zur Entwicklung bester menschlicher Tugenden im Sinne des Vaterlands.

Fragen

  1. Max Josef Metzger war Katholik und hatte Schwierigkeiten mit der Definition eines gerechten Kriegs. Wie positioniert sich die Kirch heute dazu?
  2. Was war an Metzgers christlicher Moralvorstellung vor dem Hintergrund seiner Zeit vielleicht besonders progressiv?

Andere relevante Orte

Quellen

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Die nächste Station ist die Dorotheenstädtisch-Friedrichswerdersche Friedhof in der Chausseestraße 126, 10115 Berlin.

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Dritte Station

Dorotheenstädtisch-Friedrichswerdersche Friedhof

Chausseestraße 126, 10115 Berlin

Ein Abstecher auf den Friedhof lohnt sich: Unter denen hier Beigesetzten befinden sich auch der pazifistische Schriftsteller Arnold Zweig und Bertolt Brecht.

Dorotheenstädtisch-Friedrichswerdersche Friedhof, CC BY-SA 3.0, Wikipedia Zur nächsten Station

Vierte Station

Gedenkstätte Berliner Mauer

Bernauer Straße, 13355 Berlin

Entlang des ehemaligen 160 km langen Grenzstreifens erstreckt sich heute die Gedenkstätte Berliner Mauer und ist aufgrund der rostfarbenen Stelen gut zu erkennen.

Fenster des Gedenkens mit den Porträts von Todesopfern der Berliner Mauer, Quelle: CC BY-SA 3.0, Wikipedia Zur nächsten Station

Fünfte Station

Ferdinand Sauerbruch, Berliner Charité

Charitéplatz 1, 10117 Berlin

Professor Ferdinand Sauerbruch arbeitete bis 1949 als Chirurg in der Berliner Charité. Er operierte Kriegsverletzte und entwickelte neue Arm- und Beinprothesen.

Berliner Charité Gebäude, Charitéplatz 1, 10117 Berlin
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Nahe des Berliner Hauptbahnhofs, sehen Sie auf der rechten Straßenseite das Gebäude Berliner Charité. Professor Ferdinand Sauerbruch arbeitete dort und leitete das Krankenhaus 1927 bis 1949 als Arzt und Chirurg. Sauerbruch wurde 1875 bei Wuppertal geboren und legte 1901 in Leipzig sein Staatsexamen in seinem Studium der Naturwissenschaften ab. Angeregt durch einen Professor entwickelte er als Assistenzarzt eine Technik für die Thoraxoperationen in Unterdruckkammern, die damals ungeahnte Möglichkeiten der Brustraumchirurgie eröffnete. 1914 meldete sich der deutsch-national gesinnte Sauerbruch freiwillig für den Kriegsdienst und war ein Jahr später in leitender Position des Reservelazaretts an der Chirurgischen Universitätsklinik in Greifswald tätig. Im Laufe des Krieges, mit steigender Zahl an durchgeführten Amputationen, entwickelte er den „Sauerbruch-Arm“, auch „willkürlich bewegbare künstliche Hand“ genannt, eine Prothese, die direkt in den Körper implementiert wurde. Diese Prothesen befinden sich heute in den Vitrinen des Anti-Kriegs-Museums in der Brüsselerstraße 21. 1920 verkehrte Sauerbruch in nationalkonservativen Kreisen und wurde von Adolf Hitler als aufgrund seiner Tätigkeiten geschätzt. Trotzdem folgte er Ernst Friedrichs Aufruf um 1925, ihm Bilder von Kriegsgeschehnissen- und Folgen zu schicken. Diese druckte Friedrich in seinem Buch „Krieg dem Kriege“ von 1924 ab. Die entstellten Gesichter junger Männer, die im Ersten Weltkrieg von Granatsplittern getroffen wurden, sorgten für Aufregung und Entsetzen, als Friedrich diese in seinem Museum zeigte. Er widmete sie alldenjenigen, die sich für Krieg aussprachen. Sauerbruch nutzte seine privilegierte Stellung, um sich für Menschen zu engagieren, die Repressalien durch die Nationalsozialist*innen ausgesetzt waren. 1937 erhielt er auf dem Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg den von Hitler gestifteten Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft. Einige Jahre später stimmte er zu, Menschenversuch in Kriegsgefangen- und Konzentrationslagern durchzuführen und rechtfertigte seine Entscheidung mit dem Vorwand der Kriegsnotwendigkeit. Nach dem Attentat auf Hitler 1944 wurde Sauerbruch der Mitverschwörung verdächtigt, entging jedoch einer Bestrafung und konnte seine privilegierte Stellung bis Kriegsende erhalten. Bis zur Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 operierte er Kriegsverletzte. Ferdinand Sauerbruch starb 1952 an einem Schlaganfall.

Fragen

  1. Wer war Ferdinand Sauerbruch?
  2. Was für Gründe könnte er gehabt haben, Ernst Friedrichs Arbeit zu unterstützen? Was sagt das über seine politischen Überzeugungen aus?

Quellen

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Die nächste Station ist der Carl-von-Ossietzky-Park in der Rathenower Str. 18, 10559 Berlin.

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Sechste Station

Carl-von-Ossietzky-Park

Rathenower Str. 18, 10559 Berlin

Carl von Ossietzky wurde wegen seines pazifistischen Engagements 1936 der Friedensnobelpreis verliehen, den er aber nicht persönlich in Empfang nehmen konnte, da er im Konzentrationslager inhaftiert war.

Eingang Carl-von-Ossietzky-Park, Rathenower Str. 18, 10559 Berlin
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Carl von Ossietzky wurde 1889 in Hamburg geboren. Während seiner Zeit als Hilfsschreiber am Hamburger Amtsgericht wurde er 1908 Mitglied in der Demokratischen Vereinigung und in der Deutschen Friedensgesellschaft. 1914 wurde er wegen eines Artikels in der Zeitschrift „Das freie Volk“, der die Militärgerichtsbarkeit kritisierte, zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Infanterist an der Westfront. Seine Teilnahme an der Schlacht von Verdun veranlasste ihn, einen Artikel gegen die Fortführung und Romantisierung des Krieges zu schreiben. Ab Juli 1919 lebte er in Berlin, wo er Generalsekretär der Deutschen Friedensgesellschaft wurde. Ein Jahr später arbeitete er hauptberuflich für die sozialdemokratische „Volks-Zeitung“ und initiierte unter anderem neben Kurt Tucholsky die Friedensbewegung „Nie wieder Krieg!“. 1927 wurde er Chefredakteur der „Weltbühne“ und damit zu einem der bedeutendsten Publizist*innen der Weimarer Republik. In seinen Artikeln übte er Kritik an der Parteienpolitik und warnte vor der Aushöhlung der Verfassung. Seine wiederholten öffentlichen kritischen Äußerungen zur Wiederaufrüstung sorgten für zahlreiche Verurteilungen und 1931 schließlich zu einer 18 monatigen Haftstrafe. Ossietzky bemühte sich in den 1930er Jahren um parteiübergreifende Kräftebündelung, um gegen die nationalsozialistischen Strömung vorzugehen. Trotz mehrfachen Rats von vielen Seiten entschloss der Publizist nicht ins Exil zu fliehen, sondern aktiv Tagespolitik zu gestalten und die die machtpolitischen Entwicklungen in Deutschland zu kommentieren und zu analysieren. Wie viele der sogenannten politischen Gegner des Regimes wurde Ossietzky in der Nacht des Reichstagsbrands, dem 28. Februar 1933, von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Einen Monat später verbot die Regierung seine Zeitung „Die Weltbühne“, ab April war Ossietzky in Konzentrationslagern inhaftiert. Ossietzky Nominierung für den Friedensnobelpreis brachte die NSDAP in eine schwierige Situation, da aufgrund der öffentlichen Aufmerksamkeit die unmenschlichen Zustände im KZ Esterwegen, wo Ossietzky festgehalten wurde, sichtbar wurden. Trotz zahlreicher Versuche des NS-Regimes die Verleihung des Friedensnobelpreises ins Oslo zu verhindern, wurde Ossietzky 1936 in Abwesenheit offiziell der Friedensnobelpreis für das Vorjahr zugesprochen. Weil es sich um einen vermeintlich deutsch feindlichen Preis handelte, sprach Adolf Hitler anschließend das Verbot für Deutsche aus, diesen Preis anzunehmen. Am vierten Mai 1938 starb Carl von Ossietzky an den schweren Folgen der Misshandlung und seiner Tuberkuloseerkrankung.

Fragen

  1. Carl von Ossietzky erfuhr Kritik von konservativen Kräften, er habe die junge Republik mit seinem Wirken zu Fall gebracht. Was an diesem Vorwurf ist vielleicht berechtigt, was nicht?

Andere relevante Orte

Quellen

Wenn Sie sich in Richtung Fritz-Schloß-Park bewegen, kommen Sie noch in der Rathenowerstraße an der Kurt-Tucholsky-Grundschule vorbei.

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Weg zur nächsten Station

Die nächste Station ist das Denkmal zur Erinnerung an 96 von den Nationalsozialist*innen ermordete Reichstagsabgeordnete in der Scheidemann-Straße, 10117 Berlin.

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Siebte Station

Denkmal zur Erinnerung an 96 von den Nationalsozialist*innen ermordete Reichstagsabgeordnete

Scheidemann-Straße, 10117 Berlin

Auf dem Weg zur nächsten Station über den Platz der Republik gehen, stoßen Sie in der Scheidemannstraße auf ein Denkmal zur Erinnerung an 96 von den Nationalsozialist*innen ermordete Reichstagsabgeordnete. Hier wird an Politiker*innen der demokratischen Parteien gedacht, die für ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus während der Weimarer Republik verfolgt und ermordet wurden.

Quelle: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, Wikipedia Zur nächsten Station

Achte Station

Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Cora-Berliner-Straße 1, 10117 Berlin

In der Hannah-Arendt-Straße befindet sich das berühmte Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Das Stelenfeld und die Ausstellung erinnern an die bis zu sechs Millionen jüdischen Opfer im Holocaust.

Quelle: K. Weisser, CC BY-SA 2.0 de, Wikipedia Zur nächsten Station

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Die nächste Station ist das Käthe-Kollwitz-Denkmal in der Wörther Str. 35A, 10435 Berlin.

Angekommen!

Neunte Station

Käthe-Kollwitz-Denkmal

Wörther Str. 35A, 10435 Berlin

Die Künstlerin Käthe Kollwitz verarbeitete Kriegsgeschehnisse mit ihrer Kunst, illustrierte Plakate für pazifistische Veranstaltungen und einige Bücher von Ernst Friedrich.

Käthe-Kollwitz-Denkmal, Wörther Str. 35A, 10435 Berlin
Mehr Informationen

Die Künstlerin Käthe Kollwitz wurde 1867 im damaligen Ostpreußen geboren und besuchte ab 1886 die Berliner Künstlerinnenschule. Ab 1891 wohnte sie mit ihrem Ehemann Karl Kollwitz im Bezirk Prenzlauer Berg, in der Weißenburger Straße, der heutigen Kollwitzstraße. In den späten 1880er Jahren begann Kollwitz sich mit naturalistischer Literatur und der darin enthaltenen Frauenfrage auseinander zu setzen und thematisierte fortan auch das Thema der Geschlechterproblematik. Die selbstbewusste Künstlerin setzte sich in ihrer Kunst auch aktiv mit dem Kampf gegen die Ausbeutung und Unterdrückung der Frau auseinander. Kollwitz bildete mit ihrer Kunst den sozialen Klassenkampf ab und stand auf der Seite der Leidenden. Mit dem Verlust ihres Sohnes im Ersten Weltkrieg und dem weiteren Kriegsverlauf entwickelte sich Kollwitz zur Pazifistin. Ihr Engagement gegen den Krieg drückte sich vor allem seit 1919 in ihrer Mitgliedschaft in dem Hauptausschuss des Bundes Neues Vaterland (ab 1922 Deutsche Liga für Menschenrechte), der bedeutendsten deutschen pazifistischen Vereinigung im Ersten Weltkrieg, aus. Ihr Plakat mit dem Titel „Nie wieder Krieg!“, das sie 1924 für den „Mitteldeutschen Jugendtag der sozialistischen Arbeiterbewegung“ entwarf, entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Ikone der Friedensbewegung. 1932 bemühte sie sich aktiv um die Verhinderung einer nationalsozialistischen Mehrheit, weswegen sie und ihr Ehemann ab 1933 Repressalien durch die Nationalsozialist*innen erlebten. In den 1930er Jahre nahm die internationale Bekanntheit von Käthe Kollwitz zu, obwohl sie in Deutschland nicht mehr öffentlich ausstellen und auftreten durfte. So wurde sie 1934 Mitglied der Ateliergemeinschaft in der Klosterstraße, wo freischaffende Künstler*innen arbeiteten, die teilweise von der NS-Politik aus der Öffentlichkeit verdrängt worden waren. Kollwitz entwickelte sich dort zum Vorbild für junge Kolleginnen und ein Symbol für Unbeugsamkeit und Integrität. Wenige Tage vor Kriegsende 1945 starb Käthe Kollwitz in Moritzburg. Im September 1945 wurde ihre Urne in das Familiengrab auf den Zentralfriedhof in Berlin Friedrichsfelde überführt. Käthe Kollwitz und Ernst Friedrich kannten sich und schätzten die gegenseitige Arbeit. Sie illustrierte einige seiner Bücher, entwarf für den Anti-Kriegs-Tag im September 1924 im Auftrag des internationalen Gewerkschaftsbunds ein Plakat. Eine Kopie des von ihr angefertigten Plakats zum Internationalen Treffen der anti-militaristischen Jugend in Leipzig 1924 hängt heute im Anti-Kriegs-Museum in Berlin.

Fragen

  1. Kann Käthe Kollwitz als eine Vorkämpferin für Frauenbewegung gesehen werden? Wenn ja, inwiefern?
  2. In den Quellen über Käthe Kollwitz taucht Ernst Friedrich nicht auf. Woran könnte das liegen und was sagt das über ihn und über die Beziehung der beiden zueinander aus?

Andere relevante Orte

Quellen

Wenn Sie sich von hier aus Richtung Alexanderplatz begeben, finden Sie nahe des Roten Rathauses, neben der Parochialkirche, die Parochialstraße. In der das erste Anti-Kriegs-Museum 1925 von Ernst-Friedrich eröffnet wurde. Am damaligen Standort, Hausnummer 29, hängt heute eine Gedenktafel, die an diesen Ort erinnert.

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Zweite Station

Wasserturm

Am Kollwitzplatz

Vom Käthe-Kollwitz-Denkmal geht es Richtung Volkspark Friedrichshain. Auf dem Weg dahin kommen Sie am Wasserturm am Kollwitzplatz vorbei. Er bietet von seinem Dach nicht nur eine beeindruckende Aussicht, sondern sein Standort steht auch für ein besonderes Stück Geschichte. Während der Zeit des Nationalsozialismus‘ wurde die ehemalige Maschinenhalle als Konzentrationslager genutzt. Hier wurden 1933 hauptsächlich politische Gegner des NS-Regimes in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Die zentrale Lage sorgte für eine Einschüchterung und Angst vor Verhaftung in der Bevölkerung und stellte damit ein wichtiges Instrument der NS-Politik dar.

Quelle: CC BY-SA 3.0, Wikipedia Zur nächsten Station

Elfte Station

Weltfriedensglocke im Volkspark Friedrichshain

Volkspark Friedrichshain, 10249 Berlin

Im August 1945 fanden Atombombenabwürfe über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki statt. Durch diese beiden Bomben starben insgesamt ungefähr 200.000 Menschen.

Friedensglocke Volkspark Friedrichshain, 10249 Berlin
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Zum Gedenken an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am sechsten und neunten August 1945 durch US-Atombomben befindet sich seit 1988 im Volkspark Friedrichshain in einem kunstvollen Tempel eine ein Meter hohe Bronzeglocke. Sie hat einen Durchmesser von 60 cm und ein Gewicht von 365 kg. Gestiftet wurde sie von der Weltfriedensglockengesellschaft in Tokio, Japan. Die Idee vieler solcher Friedensglocken geht auf einen Überlebenden des Atomangriffs in Hiroshima zurück. Mehr als 100 Länder schlossen sich dem Aufruf der Vereinigten Nationen an und spendeten Münzen, die gemeinsam mit metallenen Trümmerteilen aus Hiroshima verschmolzen und neu gegossen wurden. So entstand 1954 die erste Glocke auf dem Gelände der UN in New York. Bis 2020 wurden in 21 weiteren Ländern 26 solcher Friedensglocken aufgestellt und dienen als Symbol für internationale Verständigung. Die japanische Stadt Hiroshima war am sechsten August das erste Angriffsziel, die Bombe wurde über der dicht besiedelten Stadt abgeworfen. Es lebten zu diesem Zeitpunkt ungefähr 300.000 Menschen in der Stadt, Schätzungen zufolge wurden zwischen 90.000 und 120.000 von ihnen sofort getötet oder erlagen wenig später ihren Verletzungen. Die Stadt wurde fast komplett zerstört. Da sich die japanische Regierung nach diesem Bombenabwurf immer noch weigerte zu kapitulieren, erfolgte drei Tage später ein zweiter Bombenabwurf, diesmal über der ungefähr 100km entfernten Stadt Nagasaki. Dabei starben zwischen 60.000 und 80.000 Menschen. Die hier genannten Zahlen sind bis heute umstritten, weil viele sterblichen Überreste nicht gefunden werden konnten und sämtliche Unterlagen über die Einwohner*innen vernichtet wurden. Eine Gruppe verschiedener eingetragener Vereine Berlins veranstaltet jährlich am 6. August, dem Tag des Geschehens, eine Gedenkveranstaltung im Volkspark Friedrichshain.

Fragen

  1. Wie wird in der öffentlichen Geschichtsdarstellung mit diesem historischen Ereignis umgegangen?
  2. Welche Länder beteiligen sich an diesem Projekt, welche nicht? Was könnten Gründe für diese Entscheidung sein?

Quellen

Für eine aktualisierte Liste der weltweit aufgestellten Friedensglocken siehe hier.

Im heutigen Volkspark sind noch Spuren des Zweiten Weltkrieges zu erkennen: Der ehemalige Flakbunker Friedrichshain. Ein weiterer Flakturm mit Bunker wurde auch im Volkspark Humboldthain errichtet. Die Ruine des sogenannten Flakturm II steht noch und kann besichtigt werden.

Fertig

Sie haben das Ende des Spaziergangs erreicht. Besuchen Sie uns bald wieder im Anti-Kriegs-Museum!

Sie möchten sich an diesem Projekt beteiligen? Sie haben Ideen für weitere Stationen? Dann sprechen Sie die Mitarbeiter*innen im Anti-Kriegs-Museum an, kontaktieren Sie uns per Mail www.anti-kriegs-museum.de, oder über Facebook. Berlin hat noch viele weitere Orte, die zu einer Station im Friedensspaziergang werden können und wir freuen uns, wenn Sie ihn gemeinsam mit uns gestalten!

Auf Wiedersehen!

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